TVöD 2012: Die Sonne scheint mir auf den Bauch…

Tarifkonflikt Öffentlicher Dienst Bund und Kommunen – TVöD 2012: Zweiter Warnstreiktag

Das Wetter hatte es gut gemeint mit den Streikenden. Die Sonne lachte. Nur die frische Brise ließ die TeilnehmerInnen unter Ihren Streiktüten aus Plastik frösteln. Nicht anders als jene kühlen BetrachterInnen, die den Wegesrand säumten.

Die Eindrücke waren auch nicht wirklich dazu angetan, sich stärker dafür zu erwärmen. Die frische Brise hatte dem altbekannten Charme nichts anhaben können, war an der verbissen-ernsten Stimmung, den das Ganze ausstrahlte, wohl wieder mal vorüber gezogen.

Zielmarke erreicht

Gewiss: Die Zahl der TeilnehmerInnen war enorm, die sich in zwei Demonstrationszügen auf dem Opernplatz eingefunden hatten. Und riss noch lange nicht ab, als der Platz bereits zum Bersten voll war. Immer noch neue Ströme kamen hinzu. 18.000 KollegInnen dürften es sicher geworden sein. Zielmarke erreicht.

Auch positiv: Die Beteiligung am Ausstand war hoch. Wie beim Warnstreik am 8. März mussten heute alle Wege innerhalb der Stadt per pedes, Drahtesel oder Pkw bestritten werden. Die Üstra, die Hannoverschen Verkehrsbetriebe, wurden bestreikt. Kein Bus, keine Stadtbahn, den ganzen Tag über. Die meisten Leute, die nicht arbeiten mussten, wird es wenig gejuckt haben. Die Sonne lud regelrecht zum Müßiggange ein, zum Bummel oder Verweilen in den Straßencafés. Nur die zahlreichen BerufspendlerInnen und SchülerInnen werden das anders gesehen haben. Hoffentlich mit Verständnis für die berechtigten Forderungen der Betroffenen.

Fröhlichkeit und Singen?

Nachteilig: Der Kundgebungsplatz verschwand vom Kröpcke(1) her betrachtet hinter hohen Baustellenabsperrungen und –Verkleidungen. Wären da nicht dieser ohrenbetäubende Lärm aus den Lautsprecherboxen, die Musik und die Einheizreden von der Bühne her gewesen – man hätte wohl nichts von all dem Treiben mitbekommen. Ebenso wenig wie vom Anliegen der Streikenden. Es sei denn, man kreuzte vorher die Wege der Demonstrationszüge oder begegnete schon hängende Wimpel mit sich führenden TeilnehmerInnen, die sich in ganzen Gruppen aus dem Staub machten, von der Demonstration absetzten, sobald sie den Abschlusskundgebungsort erreicht hatten. Manche sah man Straßen weiter Kaffeetrinkend oder Bockwürstchenessend den Wegesrand säumen.

Streik scheint eine bierernste Angelegenheit zu sein. Kollege Spaß hat sich jedenfalls rar gemacht an diesem Tage. Schade! Dabei war das, was die Beschäftigten an diesem Warnstreiktag mit ihrem Ausstand an Druck erzeugt hatten, äußerst beeindruckend.

N. Pouget

Anmerkungen
(1) Zentraler Platz in Hannovers Innenstadt.