Mahnwache in Hannover: „Aus Hebammenprotest wird Elternprotest“

Zur beruflichen Lage der Hebammen in Deutschland

Am 8. März, dem Weltfrauen-Tag, fanden sich rund 500 Frauen und Männer mit ihrem Nachwuchs auf dem Kröpke in Hannovers Innenstadt zusammen, um auf die prekäre Lage der Hebammen aufmerksam zu machen. Mit Sprechgesängen und Trillerpfeifen forderten Hebammen, Mütter, Schwangere, Väter und solche, die es werden wollen, eine bezahlbare Haftpflichtversicherung und ausreichende Honorierung der Arbeit der Hebammen. Denn der Ausblick für die berufliche Zukunft ist alles andere als rosig.

„Jedes Jahresquartal erhöhen sich die Beiträge der selbständigen Hebammen zur Haftpflichtversicherung.“, erklärt Reinhild Bohlmann, 2. Vorsitzende vom Bund freiberuflicher Hebammen. „ Am 1. Juli 2015 soll sie endgültig von den Hebammen aus eigener Tasche gezahlt werden. Sie wird für uns Hebammen unbezahlbar.“ Die Folgen, sollte dies eintreten, sind verheerend: Keine Hausgeburten, weder Vor- noch Nachsorge und auch die Geburtenhäuser wird es dann nicht mehr geben. Das Problem, so Bohlmann, sei die zu kleine Lobby. Die Hebammenverbände seien mit einer Größe von 30.000 Mitgliedern zu klein, um gehört zu werden. Bereits ein Viertel aller Hebammen in Deutschland haben bisher ihre Arbeit niedergelegt, weil sie sich die Beiträge nicht mehr leisten konnten.

Eine junge Mutter nimmt das Mikro in die Hand: „Es ist mein Grundrecht selbst zu entscheiden, wo ich mein Kind bekommen möchte und wenn ich schwanger bin, bin ich nicht krank. Was soll ich dann im Krankenhaus? Das ist ein Angriff auf mein Selbstbestimmungsrecht!“ Damit sprach sie vielen Eltern und Frauen aus der Seele. Eine Hebamme zeigte sich in ihrem Redebeitrag gerührt über die große Anteilnahme, denn die Mahnwache wurde von engagierten Eltern und anderen Unterstützer*innen über eine Facebookseite organisiert. Nach fast 2 Stunden löste sich die Versammlung auf. „Aber es wird weitere Aktionen geben bis zum 1. Juli 2015 und auch danach.“, versichert eine wehrhafte Hebamme. „So leicht geben wir uns nicht geschlagen.“

Infos zu weiteren Entwicklungen und Aktionen gibt es auf der offiziellen Website.

Eine Petition an den Gesundheitsminister Gröhe findet sich auf dieser Website. Es werden noch rund 160.000 Unterstützer*innen gebraucht.