Das Feld nicht den Arbeitgebern überlassen!

Stärkere Einbindung von Betroffenen in die Arbeitskampfstrategie

Pressemitteilung
Hannover, 10.05.2015
PM 06/2015

Streik im Sozial- und Erziehungsdienst:
Basisgewerkschaft GGB (Gewerkschaft Gesundheits- und Soziale Berufe Hannover) wirbt für mehr Kundenorientierung im Streik

Nach dem Streik der GdL bei der Deutschen Bahn rückt nun die Aufwertungskampagne von ver.di und GEW für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst in den Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit. Nicht minder in die Kritik betroffener Eltern. Bei allem Verständnis für die berechtigten Forderungen.

Mit seinem Andauern wird auch dieser erst angelaufene unbefristete Streik zunehmendes Unverständnis und steigende Ablehnung erfahren. Streiks tun weh. Das ist ihr Ziel. Doch treffen Arbeitskämpfe in Dienstleistungsunternehmen wie Bahn oder in Kindertagesstätten zuvorderst auch die Kundinnen und Kunden, die Gewerkschaften gar nicht unter Druck setzen wollen. Das ist ihr Dilemma. Die Gewinnung der öffentlichen Meinung ist deshalb in jedem Arbeitskampf wichtig. Die Arbeitgeber wissen dies. Und sie nutzen dies.

Auch bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kann die Gewerkschaft Gesundheits- und Soziale Berufe Hannover (GGB) in der aktuellen Auseinandersetzung derartige Ansätze erkennen. In Plakataktionen, die um Verständnis werben. In einer Protestkartenaktion an die zuständigen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Landrätinnen und Landräte, verbunden mit der Bitte, sich für die berechtigten Forderungen der Beschäftigten im kommunalen Arbeitgeber-verband einzusetzen. Die Arbeitgeber als verantwortlicher Adressat. Das ist richtig. Doch aus Sicht der GGB-Hannover reicht dies bei weitem nicht aus. Ein Umdenken ist erforderlich. Und eine Umorientierung der Gewerkschaften, bereits im Vorfeld von Arbeitskampfmaßnahmen.

Die Gewerkschaft Gesundheits- und Soziale Berufe Hannover sieht nicht allein im Appell an das Verständnis der betroffenen Kundinnen und Kunden einen Ausweg. Sondern vielmehr in ihrer Einbindung. Für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst genügt schon der Blick über den berühmten Tellerrand: Hin zu den zahlreichen Elterninitiativen in Hannover, die auf Vereinsbasis arbeiten, Krabbelgruppen, Kinderläden und Schulhorte organisieren. Unabhängig von Trägern. Die Eltern sind hier nicht nur zur Übernahme ehrenamtlicher Vorstandsfunktionen verpflichtet. Bei tage- oder wochenweisem Ausfall angestellter Erzieherinnen und Erzieher durch Urlaub, Krankheit sowie Fort- und Weiterbildung, aber auch von Kochhilfen und Reinigungskräften, springen die Eltern ein. Ein Modell, auf dessen Grundlage für einige Wochen auch ein Streik sozialverträglich geführt und unterstützt werden könnte. Die Kinderbetreuung nicht länger ad hoc und individuell berufstätigen Eltern aufgebürdet würde.
Eine derartige Vorgehensweise würde aus Sicht der GGB-Hannover nicht nur das Verständnis um ein Vielfaches heben, sondern einen solidarischen Zusammenhalt fördern. Doch es bleibt eine vertane Chance, wenn es Gewerkschaften länger versäumen, Kundinnen und Kunden langfristig in ihre Vorbereitungen einzubinden.

In der Gewerkschaft Gesundheits- und Soziale Berufe Hannover, einer kleinen Basisgewerkschaft, sind unter anderem Beschäftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst organisiert. Sie unterstützt den Arbeitskampf der verhandlungsführenden Zentralgewerkschaften ver.di und GEW. Mit dem Streik der GdL erklärte sie sich uneingeschränkt solidarisch.

Frank Matz
Organisationssekretariat