Streik im Sozial- und Erziehungsdienst: Eltern aktiv in Arbeitskampf einbinden

Für gewerkschaftliche Organisierung einer Eltern-Kinderbetreuung im Streik

Ohne Zweifel: Der unbefristete Streik im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst stellt berufstätige Eltern vor enorme Probleme. Die lassen sich auch nicht einfach weg reden. Allein Appelle an das Verständnis und die Unterstützung der Eltern reichen da nicht mehr aus: Tageweise lässt sich die Betreuung fürs eigene Kind sicher noch regeln. Doch im Falle eines längeren Ausstands könnte die Stimmung bei allem anfänglich geäußerten Verständnis auch schnell in ihr Gegenteil umschlagen.

Selbstorganisierung im Streik
Gerade in kundennahen Dienstleistungsbetrieben wie Kitas sind öffentliche Zustimmung und Sympathie ein entscheidender Faktor im Arbeitskampf. Die gilt es zu gewinnen. Oder zu erhalten. Und da gäbe es aus basisgewerkschaftlicher Perspektive durchaus Möglichkeiten: Statt Eltern mit dem Betreuungsproblem ad hoc allein zu lassen, sollte vielmehr die gemeinschaftliche Organisierung durch die Eltern für diese Zeit angeregt und aktiv unterstützt werden. Von den gewerkschaftlichen Betriebsgruppen. Pate hierfür könnten die Elterninitiativen Hannovers stehen. Die auf Vereinsbasis Krabbelgruppen, Kinderläden und Schulhorte organisieren. Eltern sind in den Initiativen dazu verpflichtet, sich aktiv einzubringen. Nicht nur in ehrenamtliche Vorstandstätigkeiten, sondern gerade im Falle von tage- oder wochenweisem Ausfall angestellter Erzieherinnen und Erzieher durch Urlaub, Krankheit sowie Fort- und Weiterbildung, aber auch von Kochhilfen und Reinigungskräften. Die Eltern springen ein, wenn hier Lücken entstehen.

Ganz praktisch
Die Notwendigkeit wird seitens der Erzieherinnen und Erzieher mit den Eltern kommuniziert. Auf Elternabenden oder kurzfristig per Listenaushang. Die Beschäftigten weisen die Eltern beim Bringen oder Abholen ihrer Kinder darauf hin. Die Eltern tragen sich ein, übernehmen Verantwortung. Auch im Falle von vorübergehenden Betriebsschließungen wird der Kinderbetreuungsbedarf abgefragt. Und gegebenenfalls die komplette Elternbetreuung für diese Zeit organisiert. Das Ganze ist weitaus weniger belastend für Berufstätige, als wenn sie individuell schauen müssten, wo sie mit ihren Kindern bleiben. Das Feld würde im Streik nicht länger den Arbeitgebern überlassen. Organisierter Streikbruch, aber auch das Abfallen anfänglich Streikmotivierter lässt sich derart noch am ehesten verhindern. Eltern wären auf diese Weise auf Seiten der Gewerkschaften aktiv in den Arbeitskampf eingebunden. Das ist nicht nur sozial verantwortlich, sondern auch der Solidarität förderlich.

Bilden und Kämpfen
Was darüber hinaus fehlt: Der Bezug von Kämpfen aufeinander. Ver.di bestreikt die Post, GEW und ver.di den Sozial- und Erziehungsdienst. Die GdL die Deutsche Bahn. Auch da ließe sich dran drehen, indem Exkursionen zu den Streikenden geplant würden. Statt des zehnten Spielplatzbesuchs oder der dritten Waldwanderung. Die jeweils Streikenden könnten den Eltern-Kind-Betreuungsgruppen samt Streikdelegationen ihre Arbeit vorstellen. Und in dem Zuge gleich die Probleme und die Gründe ihres Ausstands nahebringen.

Ein solidarischer Bezug muss in der Gesellschaft erst mühsam wieder hergestellt werden. Das hat nicht zuletzt die wüste Hetze gegen den GdL-Streik gezeigt. Vielleicht wäre dieses Modell ein Anfang.

Frank Matz (GGB-Hannover)