Verkauft oder Handeln?

Eine basisgewerkschaftliche Organisierung in der Altenpflege muss her

Derzeit verhandelt ver.di mit den Arbeitgeberverbänden von AWO und Diakonie in Niedersachsen über einen Tarifvertrag für die Altenpflege. Am Jahresende soll ein Abschluss mit allen Wohlfahrtsverbänden stehen. Das erklärte Ziel: Mit seiner Allgemeinverbindlichkeitserklärung soll der Vertrag künftig für alle Träger in der Pflegebranche Niedersachsens gelten. Auch für die Privaten.

Die Chancen stehen derzeit nicht mal schlecht: Sowohl die Landesregierung als auch die CDU würden das gemeinsame Vorhaben unterstützen, so Dr. Christoph Künkel, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen. (1) Doch vor welchem Hintergrund ist dieses gezielte Zusammengehen der Zentralgewerkschaft ver.di mit Arbeitgebern und Politik überhaupt entstanden? Fakt ist: Der gewerkschaftliche Organisationsgrad unter den Beschäftigten ist gering. Wer entscheidet hier also für wen? Oder vielmehr über wen?

Krankmachend

Knapp 105.000 Pflegekräfte sind in der Altenpflege in Niedersachsen tätig. Und deren Arbeitsbedingungen sind hart: Niedriger Personalschlüssel, hohe Arbeitsintensität, physisch und psychisch hoch beanspruchende Tätigkeiten, unattraktive Arbeitszeiten. Hinzu kommt der Druck, den Arbeitgeber noch zusätzlich ausüben: Auf erkrankte Beschäftigte, auf Kollegen/-innen im Frei. Die Entlohnung ist gering, der Beruf gilt als wenig attraktiv. Im Ländervergleich finden sich Pflegende in Niedersachsen sogar am untersten Ende der Lohnskala. Kaum eine andere Branche dürfte derart hohe Fluktuationszahlen und Berufsaussteiger/-innen aufweisen wie die Pflege. Nachwuchsprobleme? Hausgemacht!

Zu still

Bisher haben Pflegende ihrer Situation kaum selbst etwas entgegengesetzt. Die spärlichen unabhängigen Initiativen finden zu wenig Anklang, machen nicht gerade Schule. Wo einem eine Überlastungsanzeige schon als offener Widerstand angezählt wird, überdurchschnittliche Krankheitstage nicht minder, wundert das kaum. Und dennoch: Aus basisgewerkschaftlicher Sicht gäbe es Alternativen.

fm (GGB-Hannover)

Anmerkungen
(1) Pressemeldung Diakonie Niedersachsen, 13.05.2015