DRK: Willkür unter dem Deckmantel der Mitmenschlichkeit?

Gewerkschaft Gesundheits- und Soziale Berufe (GGB) und Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (AKS) protestieren öffentlich gegen Schikanen bei der DRK Soziale Dienste in der Region Hannover gGmbH

Hannover, 22.12.2016. Anlässlich skandalöser Arbeitsbedingungen bei einem DRK-Tochterunternehmen verteilten mehr als 20 Mitglieder der Basisgewerkschaft sowie des Arbeitskreises Kritische Soziale Arbeit Flugblätter vor dem Blutspendemobil des DRK auf dem Steintorplatz. Das Interesse und Echo seitens der Passant_innen und Blutspender_innen war erfreulich groß.

Spitze am Markt, nur nicht gegenüber den Beschäftigten

Mit über einem Dutzend Standorten ist die DRK Soziale Dienste in der Region Hannover gGmbH einer der größten Betreiberinnen von Flüchtlingsheimen in Hannover. Doch wie in den vergangenen Wochen bereits von der Presse berichtet, ist es fraglich, ob die von der Kommune bereitgestellten Gelder tatsächlich von den Betreibern angemessen in Personal und gute Ausstattung investiert werden.

Seitdem unklar ist, ob weiterhin viele Flüchtlinge nach Deutschland einreisen werden, versucht das DRK-Tochterunternehmen, Beschäftigte offenbar aus dem Betrieb zu drängen. Stellen in der mittleren Leitungsebene und in der Fachberatung wurden gekürzt. Anfang November wurden Mitarbeiter_innen spontan in die Zentrale der DRK-Tochter gerufen. Einer ganzen Reihe von ihnen wurde hier direkt die Kündigung ausgesprochen, anderen wurde diese angekündigt. Wieder andere wurden dadurch verunsichert, dass sie im Urlaub telefonisch die Mitteilung ereilte, ggf. von einer Kündigung betroffen zu sein. Diese betriebsöffentliche Kollektivkündigung erscheint der GGB jedoch nur als ein Versuch, die Belegschaft einzuschüchtern. Denn die Basisgewerkschaft erreichten in den letzten Monaten viele Berichte aus den Betrieben.

Steine in den Weg gelegt

Um mehr Rechtssicherheit gegen das äußerst willkürlich erscheinende Gebaren der Geschäftsleitung durchzusetzen, initiierten Beschäftigte deshalb unlängst die Gründung eines Betriebsrats. Nur ließ die Geschäftsführung schon im laufenden Verfahren nichts unversucht, Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl zu streuen. Nachdem diese durchgeführt war, wird sie nun – wie angekündigt – von der Geschäftsleitung angefochten.

„Es entsteht der Eindruck, dass der Betriebsrat mit allen Mitteln davon abgehalten werden soll, seine eigentliche Arbeit aufzunehmen“, so Frank Matz, Pressesprecher der GGB. „Wir fordern die DRK Soziale Dienste auf, die Schikanen zu unterlassen, den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern sichere Beschäftigungsperspektiven zu bieten und ihr Recht zu akzeptieren, sich ungehindert zu organisieren.“ Von der Landeshauptstadt Hannover erwarten GGB und AKS, dass sie als Geldgeberin kontrolliert, dass die vereinbarten fachlichen Standards eingehalten werden. Anderenfalls sehe sich die GGB gezwungen, solange gegen diese Missstände öffentlich aufmerksam zu machen, „bis diese Minimalstandards als erfüllt angesehen werden können“, so Matz.

Fotos: Jens Kammradt