Anleitung zum Glücklichsein: In Schweden wird der Sechsstundentag längst geprobt

Während die Debatte um die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit im Zuge der geplanten Reform des Arbeitszeitgesetzes in Deutschland immer wieder einseitig angeheizt wird, geht man in europäischen Nachbarländern längst andere Wege. Was hierzulande einen Sturm der Entrüstung aus Politik und Unternehmerlager auslöst, etwa die vergleichsweise moderate Forderung der IG Metall nach Arbeitszeitverkürzung auf bis zu 28 Stunden in der Woche, wird dort seit Jahren und nicht halb so luschig erprobt. Der Sechsstundentag bei vollem Lohnausgleich findet in Skandinavien längst immer mehr Anklang, nicht nur seitens der Beschäftigten.

In Schweden haben sich Versuche mit dem neuen Arbeitszeitmodell mittlerweile in einer ganzen Reihe von Betrieben des Gesundheits- und sozialen Sektors bewährt. Und zwar so gut, dass sie immer wieder verlängert wurden, Nachahmer fanden und nun dauerhaft eingeführt werden könnten. Nicht nur in Krankenhäusern und sozialen Betrieben, sondern auch in Alten- und Pflegeheimen. Die guten Erfahrungen lassen sich mit den positiven Effekten ähnlicher Versuche in Norwegen messen: Die Arbeitszufriedenheit steigt, der Krankenstand sinkt, die Produktivität erhöht sich. Plötzlich ist es auch kaum noch ein Problem, geeignete Fachkräfte zu finden. Die anfänglichen Mehrkosten für Unternehmen rentieren sich schnell, auch weil die Fehlerquote rapide sinkt. Allenthalben berichten skandinavische Beschäftigte, wie ihr latenter Stresslevel schwindet, ihre Motivation steigt und welchen Freizeit- und Erholungsgewinn sie davontragen.

Vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftemangels, der auch in schwedischen Gesundheits- und sozialen Betrieben den Anstoß zum Umdenken gab, muss der öffentliche Diskurs nach Ansicht der Gewerkschaft Gesundheits- und Soziale Berufe auch in Deutschland grundlegend anders, mithin nach skandinavischem Vorbild geführt werden. Der Kampf um Personalbemessung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Aufwertung von Gesundheits- und sozialen Berufen, insbesondere in der Pflege, in der Sozialen Arbeit und im Erziehungsbereich, gehören für die Basisgewerkschaft zusammen. Alles andere bleibt zaghaft, kratzt nur an der Oberfläche oder verkommt zur bloßen Makulatur, wie uns so manche Zertifizierung von Unternehmen als „familienfreundlich“ beweist. Nach Auffassung der GGB ist es längst an der Zeit, auch in der hiesigen Arbeitszeitdebatte einen grundlegenden Wandel einzuläuten.

Frank Matz

 

Weiterführende Informationen:

taz, 13.11.2017

Deutschlandfunk Nova, 02.10.2015

Frankfurter Rundschau, 29.04.2015